Was hat Popcorn mit Pfingsten zu tun?

Erstellt am 09.06.2018

»Beides fängt mit dem Buchstaben 'P' an.« Mehr fiel mir zu der Frage auch nicht ein, als ich die Abkündigung für den Familiengottesdienst am Pfingstmontag in Westtünnen las. Ich war daher recht neugierig auf dieses Thema.

Der Familiengottesdienst richtet sich an Familien mit Kindern. Auf dem Weg zur Kirche war ich daher sehr gespannt, wie das Pfingstthema so aufbereitet werden würde, dass sowohl die Großen, als auch die Kleinen etwas davon hatten, ohne sich dabei zu langweilen oder überfordert zu werden.

Zu Beginn blieb aber die Sache mit dem Popcorn ungeklärt. Die biblische Lesung war den meisten Erwachsenen bekannt (Apostelgeschichte 2, 1) und wurde an diesem Tag in Form eines Gespräches zwischen vier Frauen vorgetragen.

Für einen Erwachsenen könnte ich der Text von Lukas wie folgt zusammenfassen:

Nachdem der Kaiserliche Strafgerichtshof zu Jerusalem unter dem Vorsitz des ehrenwerten Statthalters Pilatus ihren Anführer zum Tode verurteilt hatte (Aktenzeichen: unbekannt) und das Strafurteil unmittelbar danach vollzogen worden war, zogen sich seine Anhänger zunächst aus der Öffentlichkeit zurück. Ausgelöst durch ein ungeklärtes, meteorologisches Phänomen entschied sich die Gruppe die Lehren ihres Anführers öffentlich zu verbreiten und dazu sämtliche Bevölkerungsgruppen anzusprechen.

Dieser, von Lukas dokumentierte Vorfall erscheint auf dem ersten Blick wenig beeindruckend. Eine Gruppe Aktivisten beschließt die Arbeit ihres verstorbenen Anführers fortzusetzen. Man kann sich durchaus fragen, warum das sogar mit einem Doppelfeiertag begangen wird!

Als nächstes hörten wir dann ein Gleichnis (des Pfarrers, nicht aus der Bibel!): Nachdem Jesus getötet und dann zum Himmel aufgefahren war, fühlten sich die Jünger einsam, verunsichert und verängstigt. Sie waren wie die Maiskörner: Klein, unscheinbar und von einer harten, schützenden  Schale umhüllt. Die Jünger versteckten sich in ihren Häusern, so wie die Maiskörner in der dunklen Höhle der Maschine auf dem Küchentisch im Altarraum.

Aber dann folgte die Sache mit dem Popcorn!
Plötzlich erfüllte ein seltsames Rauschen die Kirche. Das war ein Geräusch, das noch niemand an diesem Ort je gehört hatte. Wer sich nach vorne traute, konnte auch die Hitze spüren, die jetzt von dem Versteck der Maiskörner in der Maschine ausging. Einer glaubte sogar einen Windstoß zu verspüren!
Und dann … platzten die harten Körner auf und sprangen im hohen Bogen als Popcorn aus ihrem Versteck hinaus in den Altarraum. Jetzt konnte jeder sie sehen. Sie waren in das Licht der Öffentlichkeit getreten!

Jeder Gottesdienstteilnehmer konnte nach vorne kommen um zu probieren und zu schmecken. Ob Alt oder Jung und egal aus welcher Ecke man kam, jeder probierte das Popcorn … und verstand die Geschichte von Lukas jetzt viel besser: So wie der Mais nicht von selbst zu Popcorn wurde, so bedurfte es auch damals eines äußeren Einflusses, um die verängstigten Jünger aus ihren Verstecken zu treiben und aus ihnen Verkünder des Glaubens zu machen.

Später, als die Gemeinde dann aufstand um gemeinsam das Vater Unser zu beten, saßen die Jüngeren noch immer auf den Treppen am Altarraum und futterten die Jünger, also das Popcorn auf.

Alle, die an diesem schönen Familiengottesdienst teilnahmen, werden daran noch lange denken.

von Rainer Sievers

PS: Auch der Küster wird noch oft an das Popcorn auf dem Boden der Kirche denken.