-Augenblicke- Nachdenken über das Leben

Liebe Gemeinde,

am 11.Juni kann ich mein 25 jähriges Ordinationsjubiläum feiern. Das ist so was wie „Konfirmation für Pfarrer“. Im Mai 1992 bin ich am Sonntag „vom guten Hirten“ von Superintendent Draheim eingesegnet worden. Danach dauerte es noch eine Weile, bis die Gemeinde nach vielen Streitigkeiten wieder ein Presbyterium wählen konnte. Das hat mich dann im Herbst 1992 zum Pfarrer im zweiten Gemeindebezirk gewählt. Im Jahr zuvor bin ich unter der „Obhut“ von Pfarrer Hans Martin Thimme in der Gemeinde tätig gewesen. 25 Jahre ist das her und ein Grund, melancholisch zu werden. So blicke ich sinnend von meinem Schreibtisch auf.

Der warme Frühlingswind treibt weiße Flecken an meinem Fenster vorbei. Die Bäume sprießen grün und die kleinen, weißen Blütenblätter mischen ihre Farben hinein, bis sie in der Zaunecke liegen bleiben, wie ein kleiner Haufen Schnee.

Der Winter ist vorbei, das Frühjahr hat begonnen, überall regt sich das Leben und durchbricht farbig das grau-braune Winterkleid. Seit fünfundzwanzig Jahren staune ich, an meinem Schreibtisch sitzend, über das, was sich da vor meinem Fenster und vor meinem Arbeitszimmer abspielt. „Das ist das Leben“, denke ich oft und höre noch das Lachen der Kinder hinter mir.   

Wenn ich aufblicke, sehe ich das Bodelschwingh-Haus und den großen Baum daneben. War er damals auch schon so mächtig? Aber noch kann ich durch seine hängenden Zweige bis zum Alten Uentroper Weg blicken, kann sehen, wenn ein Rettungswagen oder die Feuerwehr mit lautem Getöse dort langfährt. Ich kann die Köpfe sehen, wie sie auf der Hecke von links nach rechts tanzen. Kann sehen, wer aus der ZUE Richtung Werries geht. Erst im Mai wird der Baum so voller Blätter sein, dass ich nicht mehr durchblicken kann. Mit dem Durchblick ist es bei mir eben manchmal so. Ich muss dann auf andere Zeiten warten, oder die Blicke nicht so weit schweifen lassen. Und hinter mir ruft mein Sohn: „Es hat geklingelt. Da ist einer an der Tür für dich!“

Als ich wieder sitze, bleibt mein Blick auf der Wiese vor dem Baum hängen; keine Feuerwehr, keine tanzenden Köpfe mehr. Gerade streitet sich vor dem Fenster ein Eichhörnchen mit einer Elster um alte Nüsse. Oben auf dem Baum sitzt heute nicht der Reiher, der sonst auf freien Sprung in Nachbars Teich wartet. Die Blätter vom letzten Jahr liegen braun vor der Kellertreppe. Die Zeit geht weiter und ich sitze da und schaue zu. „Das ist das Leben“, denke ich oft. Und durch die offene Tür hinter mir höre ich das Klappern von Töpfen.

Vor mir die Tastatur, der Monitor, ein Zettel, ein Gesangbuch, eine Bibel, Listen und Kassenbons. Ich schreibe am Text für eine Beerdigung. Wenn ich über unseren Friedhof gehe und die Namen auf den Gräbern lese, tauchen viele Tote vor meinem inneren Auge wieder auf. Wie die Blumen sprießen ihre Geschichten wieder ins Leben. Der Friedhof gleicht dann einem bunten Garten voller Lebensgeschichten, denn nach 25 Jahren sind mir die meisten Namen nicht mehr fremd. Für mich ist es kein toter Ort. Hier warten sie auf Auferstehung, hier sind sie noch da in ihren Namen. Ich werde nach der Beerdigung in den Kindergarten gehen. Die Kita liegt auf meinem Heimweg und ich merke, wie wichtig für mich diese Spannungen sind. Das Leben vor meinem Fenster und das Schreiben am Computer, die Toten und die Trauernden in der Kirche und die Kinder im Garten der KITA, die Gottesdienste in der Kirche und die Nachmittage in einer Gemeindegruppe, die Abende im Presbyterium oder bei der Vorbereitung von gemeinsamen Gottesdiensten. „Ist das auch das Leben?“, frage ich oft und höre Flötentöne, Fingerübungen.

Ich muss noch die Lieder aussuchen für den Gottesdienst. Warum habe ich mir damals am Anfang keine Liste gemacht? Dann bräuchte ich nur schauen, was ich damals genommen habe. Alle sechs Jahre kommen die Predigttexte ja wieder an die Reihe. Dann feiern sie ihre Auferstehung aus der Schatzkammer der Bibel. Hinter mir stehen die biblischen Kommentare, die Gottesdiensthilfen und Bücher. Aufgereiht warten sie darauf, ihr Inneres neu in den Sonntag zu bringen.

Im Computer befindet sich irgendwo noch eine alte Predigt zu dem Text. Ich suche sie, lese und würde es heute anders sagen. Aber da ist ein Gedanke, der gefällt mir immer noch. Das Telefon klingelt. Ich geh nicht dran. Ich höre nachher den Anrufbeantworter ab, jetzt lass ich mich nicht stören. Doch der Gedanke, der mich aus der alten Predigt nach anblickte, ist fort. Dann gehe ich eben dran. Es klingt eine freundliche Frauenstimme und will mir eine Zeitschrift verkaufen. Ich lehne freundlich ab und frage mich, ob bei Pfarrerinnen freundliche Männerstimmen Werbung machen: „Das ist das Leben“, denke ich dann nicht so oft und die Katze kommt rein und setzt sich auf die Fensterbank. Nicht lange dann wird sie Miauen, wenn sie den Vogel auf dem Zaun erblickt.  

Ach ja, die Lieder. Musik gehört zu meinem Leben. Früher habe ich sie aufgenommen, am Radio. Früher lief sie immer nebenbei, früher habe ich sie selbst gemacht, mitgemacht im Posaunenchor und ganz früher auf der Blockflöte. Eine Zeitlang habe ich in einem Geschäft Schallplatten verkauft. Das ist lange her. Immer, wenn ich von Pink Floyd „another brick in the wall“ höre, stehe ich wieder in dem Geschäft und verkaufe Schallplatten und summe leise mit: „We don't need no education, we don't need no thought control…“ Und heute Abend ist Chorprobe für die Konfirmation. In mir klingt Karfreitag noch nach, Matthäuspassion: „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen, sehet, wen? den Bräutigam, seht ihn, wie? als wie ein Lamm.“ Ich stand damals in einer großen alten Kirche und ein Chor stülpte mir diese Musik über. Der ganze Kopf wurde eingehüllt und ich hatte keine Chance wegzuhören. Dann begann das Gefühl getragen zu werden, erhoben zu sein und zu fühlen, was sonst nicht fühlbar ist. „Das ist das Leben“ denke ich dann, viel zu selten noch. Aber nebenbei läuft keine Musik mehr und die Katze putzt sich den Bauch.

Ich mag an meinem Beruf auch die Berufung, aber vor allem die ungeheure Vielfalt der Augenblicke, die mein Leben bereichern und mich prägen. Ich bin immer wieder auf dem Weg zu anderen Menschen, aber eben auch zurück an den Schreibtisch. „Das ist mein Leben“, denke ich und bin froh. Die Haustür schlägt zu, meine Frau fährt zur Schule, in ein anderes Leben, eine andere Welt. Weit weg und doch bringt sie immer etwas davon mit. Wir teilen uns das, ihres und meines, und manchen unseres daraus – und was die Kinder alles mitbringen…...

25 Jahre und ich danke allen, die mit mir zusammen Gemeinde sind. Ich blicke zurück und denke an die, die nicht mehr direkt dabei sind. Vielleicht begleiten sie mich in ihren „Augenblicken“. Und manche eben auch auf den Gängen über den Friedhof. Es hat sich viel verändert, und die alten Lieder sind die neuen von damals. Mein Leben, etwas weniger als die Hälfte sitze ich hier und bin gespannt, was morgen das Leben ist. Immer ist es geschenkt, umsonst, nicht vergebens.  

Ich danke auch DIR, mein Gott, dass du mich im „Blick“ hast und mich das oft spüren lässt.

Danke für das geteilte Leben auch Ihnen

Ihr Pfarrer Klaus-Martin Pothmann

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Durch Fenster ihre Blicke spähn

Sie spähen, lauschen, geben acht

Auf alles, was geschiehet,

Was jeder treibt, was jeder macht,

Was jeder redet laut und sacht,

Nichts ihnen sich entziehet.


Durch Fenster ihre Blicke spähn,

Ihr Ohr lauscht an den Thüren,

Es darf nichts unbemerkt geschehn,

Die Katz nicht auf dem Dache gehn

Daß sie es nicht erführen.

Neu auf www.kg-mw.de

 

Schlepperbande an der Möhne gesichtet! (zum Fotoalalbum )

Witz der Woche

Eine junge Mutter geht mit ihrem Kind ins Freibad. In dem warmen Kleinkinderbecken sitzen bereits drei ältere Herren. „Das Becken ist eigentlich für Kleinkinder.“

Da sagt der erste Mann: „Meine Knie sind kaputt und schmerzen. Hier im warmen Wasser geht es besser.“

Und der zweite Mann sagt: „Ich habe ‚Rücken‘. Hier im warmen Wasser geht es besser.“

Dann sagt der Dritte: „Ich habe Probleme beim Wasserlassen. Hier im warmen Wasser geht es besser. … Wo wollen Sie den hin? Es ist doch noch genug Platz da!“